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Geschäftsmodelle

Auch wenn zu Beginn erst einmal Erfahrungen mit innerbetrieblicher Kollaboration gesammelt werden sollen, so ist das mittel- und langfristige Ziel dieses Vorhabens die zwischenbetriebliche Kollaboration. In diesem Fall gewinnen wirtschaftliche und rechtliche Gesichtspunkte rasch an Bedeutung.

Um die entwickelten Referenzprozesse in Unternehmen implementieren zu können und sie zum Einsatz von komponentenweise verteilt entwickelter Unternehmenssoftware zu bewegen, müssen die Austauschprozesse auch von ökonomischer Seite betrachtet und die Generierung von Nutzen bei den am kollaborativen Erstellungsprozess beteiligten Akteuren nachgewiesen werden. Die Determinanten der Adaption eines komponentenbasierten kollaborativen Vorgehensmodells bzw. der Akzeptanz des Einsatzes von komponentenbasierter Unternehmenssoftware sollten empirisch belegbar sein. Besonders interessant sind diese Betrachtungen hierbei aus Sicht der Kunden (Anwenderunternehmen) und aus der der Hersteller (Komponentenlieferanten).

Bei Finanzdienstleistern (Kunden) ist zu erwarten, dass sie u.a. von der einfachen Austauschbarkeit einzelner Komponenten unterschiedlicher Hersteller und der Möglichkeit, damit ihre Finanz-Produktfamilien flexibel zusammenzustellen in hohem Maße profitieren werden – dies übrigens statisch oder aber dynamisch. Für die Komponentenlieferanten stellt sich die Situation ähnlich dar, sofern sie nicht ausschließlich atomare, nicht weiter zerlegbare Komponenten herstellen.

Ebenso gilt es, den Wertschöpfungsprozess im Rahmen des Referenzmodells zu untersuchen und anhand ökonomischer Maßstäbe, wie Kundenbedürfnissen und Produktivität, zu bewerten. Von besonderem Interesse ist hierbei die optimale Arbeitsteilung und Gestaltung der Arbeitsprozesse der an der Entwicklung und Integration von Softwarekomponenten beteiligten Akteure. Der geplanten Komponentenplattform (Distributionsplattform) kommt für die koordinierte Unterstützung des Leistungsaustausches eine besondere Bedeutung zu.

Des Weiteren ist bei der Definition von Geschäftsmodellen eine Betrachtung der möglichen Absatz- und Erlösmodelle notwendig, d.h. es gilt die Frage zu klären, wann und wie die am Wertschöpfungsprozess beteiligten Akteure positive Deckungsbeiträge erzielen können, insbesondere wie die spezialisierten Komponentenhersteller Gewinne erzielen können. Betrachtet man hierbei die Transaktionsphase der Vertragsgestaltung, sind im Wesentlichen die ökonomischen Aspekte der Bepreisung und des passenden Nutzungsmodells, wie beispielsweise Lizenz- oder Mietmodell, interessant.

Aber auch von rechtlicher Seite gilt es zu klären, ob die existierenden juristischen Grundlagen auf das Szenario der kollaborativen, komponentenbasierten Entwicklung von Unternehmenssoftware anwendbar sind. Vor allem Fragen des Urheberrechts, des Patentrechts und des Softwarevertragsrechts sind in diesem Zusammenhang relevant.

Für den Bereich des Urheberrechts stehen Fragen der Schutzfähigkeit von Softwarekomponenten sowie der Urheberschaft bei unternehmensübergreifend entwickelter Software im Vordergrund. Was die patentrechtliche Schutzfähigkeit von Software und Softwarekomponenten angeht, gilt es, die gesetzgeberischen Aktivitäten auf europäischer Ebene rund um die geplante Richtlinie zum Schutz sog. computerimplementierter Erfindungen im Auge zu behalten.

Im Laufe der Projektlaufzeit werden dann Probleme des Softwarevertragsrechts in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Dabei werden Fragen nach der rechtlichen Absicherung der Kooperation verschiedener Komponentenhersteller ebenso eine Rolle spielen wie die der Absicherung von Interoperabilität durch Offenlegung von Schnittstellen, um die Wiederverwendbarkeit und Interaktion von Komponenten zu gewährleisten. Daneben wird es auch auf eine interessengerechte Vertragsgestaltung zwischen Herstellern, Systemhäusern und Anwendern – insbesondere im Bereich der Einräumung von Nutzungsrechten sowie bei der Ausgestaltung gewährleistungsrechtlicher Ansprüche – ankommen. In diesem Zusammenhang wird auch die Unterscheidung von Lizenzmodellen im Bereich proprietärer und Open-Source-Software an Bedeutung gewinnen.


Last modified 07.12.2004 - 10:56
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